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Jane Gardam : Ein untadeliger Mann

Wenn einer meiner Lieblingsautoren, in diesem Fall Ian McEwan, einen Tipp abgibt, ist das fast so, wie wenn eine gute Freundin mir ein Buch empfiehlt. Manchmal führen diese Tipps auf den Holzweg, aber in diesem Fall habe ich mich gefreut, eine neue Autorin kennenzulernen, deren Schreibstil und deren Art zu erzählen ähnlich Ian McEwans ist. Oder war eher Ian McEwan, geboren 1948, Schüler von ihr? Denn im englischsprachigen Raum ist Jane Gardam, geboren 1928, bereits lange bekannt. Weshalb sie erst jetzt auf Deutsch übersetzt wurde, ist erstaunlich. Dafür freue ich mich, nun bald mehr von ihr zu lesen. 

Im Buch „Ein untadeliger Mann“ beschreibt Jane Gardam die Lebensgeschichte von Edward Feathers, mit Spitzname„Old Filth“ (so heisst das Buch auch auf Englisch). Seite für Seite eröffnen sich neue Aspekte und Ansichten, mehr und mehr erfährt man über Edward. Zu Beginn erscheint „Old Filth“ wirklich als untadeliger Mann, aber kann man einen Menschen wirklich kennen? Oft habe ich mich während der Lektüre in Erinnerung gerufen: wie der erste Eindruck doch täuschen kann. Und glaubt man einen Menschen zu kenne, kennt man ihn dann wirklich? Was gibt es noch alles Verborgenes und Wissenswertes kennenzulernen? Muss ich alles wissen? Und muss ein Mensch wirklich so untadelig sein? 

Jane Gardam schreibt gut, mit Witz und Leichtigkeit, gleichzeitig ernsthaft und liebevoll. Einfach wunderbar.
Das Buch beantwortet nicht alle Fragen, aber muss es das? Gute Bücher sind für mich auch Bücher, die mich zum Nachdenken anregen und Diskussionen auslösen können. Dies ist hier der Fall. Einige Fragen werden sicher im nachfolgenden Buch „Eine treue Frau“ beantwortet, in welchem die Sicht von Betty Feathers, Edwards Frau, zum Zuge kommt. 
Die ganze Geschichte ist als Trilogie angelegt, der dritte Teil liegt momentan noch nicht auf Deutsch vor, folgt aber sicher bald. Ich freue mich darauf.

Tipp von Helen Schärer

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