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Robin Lane Fox : Die klassische Welt – eine Weltgeschichte von Homer bis Hadrian

Der römische Kaiser Hadrian war in vielen Belangen von rastlosem wie opulentem Naturell; so bereiste er über Jahre hinweg nicht nur zahlreiche Provinzen zwischen Britannien und Nordafrika, nein, er liess an den Stationen seiner Besuche auch Münzen prägen, Inschriften anbringen oder stiftete nebst Denkmälern gleich ganze Bauwerke, welche oft auf die geschichtsträchtige Bewandtnis der jeweiligen Orte Bezug nahmen. Getrieben wurde Hadrian dabei massgeblich von seiner Vorliebe für eine bereits damals als klassisch empfundene Vergangenheit, deren Studium längst zur gemeinsamen, überlieferten Kultur griechisch-römischer Prägung gehörte, welche die Eliten des Imperiums im zweiten Jahrhundert verband, einer herkunftsübergreifenden Identität, die – eingedenk aller regionaler Unterschiede – Bestandteil einer jeden persönlichen Assimilierung bzw. „Romanisierung“ war, die zum römischen Bürgerrecht sowie letztlich zum cursus honorum, der römischen Ämterlaufbahn und dem damit eng verknüpften gesellschaftlichen Aufstieg befähigte.
 
Um den nicht ganz einfach festzulegenden wie auch widersprüchlichen Begriff der Klassik – und Hadrians Nachspüren derer – herum baut Lane Fox seine Geschichte des klassischen Altertums; mit einem philosophisch/gesellschaftlichen Augenmerk für die Themata der Freiheit, des Luxus und der Gerechtigkeit, welche antike Autoren und Geistesgrössen stets in besonderem Masse umtrieb. Der britische Althistoriker deckt beinahe tausend Jahre europäische (Kultur-)Geschichte auf 640 Seiten ab; ausgehend vom archaischen Griechenland durchschreitet Fox trefflich die folgenden Entwicklungen der griechischen Kultur, u.a. die Zeiten der Kolonisation im Mittelmeerraum, der Perserkriege und steten innergriechischen Zänkereien, aber auch das blühende Athen des 5. und 4. Jahrhunderts v.Chr., dessen kulturelle wie philosophische Errungenschaften, inkl. der Erprobung der Demokratie. Über den Aufstieg des makedonischen Königshauses, gipfelnd im epochalen Alexanderzug und damit einhergehendem griechischem Kulturexport, beleuchtet das Werk die nachfolgenden Jahrhunderte des Hellenismus in ihren Grundzügen, doch beginnt im Schatten der glänzenden Höfe hellenistischer Dynasten bereits das Ausgreifen Roms, dessen mannigfaltiger, reich befrachteter Geschichte – und Adaption der griechischen Kultur – auf dem Weg zur Weltmacht sich der Autor in der zweiten Hälfte des Buches ausführlicher annimmt, um mit dem durch die Gärten seiner gewaltigen Villa Hadriana bei Tivoli wandelnden Kaiser zu schliessen.
 
Robin Lane Fox bewerkstelligt aufschlussreich eine kurzweilige, einstiegsfreundliche aber keineswegs zu kurz greifende Geschichte der griechisch-römischen Antike, deren britischer Witz und stilistische Eloquenz – samt pikanten Querverweisen in unsere Zeit – wahrlich Lesefreude bereiten, ebenso das weitgehende Fehlen bemühender Political Correctness; die Barbaren dürfen hier und da noch frei von Anführungs- und Schlusszeichen in Erscheinung treten.
 
Ein Tipp von Claude Christinat
 

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