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Der Wolkenatlas




„Unser Leben gehört nicht uns. Von der Wiege bis zur Bahre sind wir mit anderen verbunden, in Vergangenheit und Gegenwart. Und mit jedem Verbrechen und jedem Akt der Güte erschaffen wir unsere Zukunft.“

Die Verfilmung von David Mitchells Buch "Der Wolkenatlas" galt lange Zeit als ein Ding der Unmöglichkeit. Alleine die Geschichte ist mit einem derart komplexen Aufbau versehen, dass sich niemand vorstellen konnte, wie man diese Art von Erzählweise in einem Film wiedergeben könnte. 2009 begannen schliesslich Tom Tykwer und die Wachowski-Geschwister (Fans ein Begriff seit der Matrix-Trilogie) mit der Verfilmung des Buches. Die Dreharbeiten fanden im Herbst 2011 im Studio Babelsberg in Potsdam statt und alles was Rang und Namen hat war dabei: Tom Hanks, Susan Sarandon, Ben Whishaw, Halle Berry, Hugo Weaving und Hugh Grant. Die Produktion gilt aktuell als der bei weitem teuerste deutsche Film und löste somit die Literaturverfilmung Das Parfum ab.
Der Wolkenatlas greift mehrere miteinander verbundene philosophische und religiöse Themen auf. Auch Friedrich Nietzsches Begriff „Willens zur Macht“ und dessen Auswirkungen auf die menschliche Natur durch die Jahrhunderte wird bildreich dargestellt. In jedem Zeitalter gab es Unterdrücker und Unterdrückte und wird es wohl auch immer geben - es können sich noch so viele dagegen einsetzen.
Doch "Ganz gleich was Du auch ausrichtest, es wird nie mehr sein als ein einzelner Tropfen in einem unendlichen Ozean!" - "Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?"
Dabei spielt das Zitat: „Und mit jedem Verbrechen und jedem Akt der Güte erschaffen wir unsere Zukunft“ eine zentrale Rolle.
Das Thema Reinkarnation ist in diesem Film allgegenwärtig. So haben sechs Charaktere in unterschiedlichen Zeiten das gleiche Muttermal und erleben Déja-vus an vorherige Leben.

Wolkenatlas ist eine Metapher für die von Mensch zu Mensch wandernden Seelen. Ihre Wege und Route zu kartografieren entspräche einem Atlas der Wolken. Eine von Mitchells Figuren sagt: „Die Seelen wandern über die Zeit wie die Wolken über den Himmel.“
Hier eine Kurzrezension über dieses Meisterwerk zu schreiben wäre ein Ding der Unmöglichkeit - es würde den Rahmen der verfügbaren Zeichen sprengen und der Geschichte in keinster Weise gerecht werden. Und genau das macht es aus: sie ist nicht in zwei drei Worten erzählt.
Doch in einem kleinen Beispiel möchte ich es versuchen:
Südpazifik, 1849: Dr. Henry Goose (Tom Hanks), von Gier getrieben, vergiftet den jungen amerikanischen Anwalt Adam Ewing um an dessen Geld zu gelangen. Mit dieser Tat hat er sich wahrlich sein Grab für die Zukunft geschaufelt. Er wird weitere fünf Mal wiedergeboren werden: als Hotelmanager, als Autor, als Wissenschaftler und als einfacher Bauer in ferner Zukunft. Obwohl seine Seele sich beinahe jedes Mal ein wenig zum Guten wendet, wird in jedem seiner Leben für seine vergangenen Taten büssen bis er sich als Ziegenhirte Zachry, Big Isle 106. Winter nach dem Untergang 2321 endlich persönlich weiterentwickelt und alles zum Guten kommen wird.
Ich kam in den Genuss mich vor wenigen Jahren von diesem knapp dreistündigen Epos zwei Mal im Kino erschlagen zu lassen. Die schauspielerischen Glanzleistungen sind eine Wohltat, die Maske und die Specialeffects einfach nur perfekt, die Filmmusik einmal wunderbar-Nicht-Hans-Zimmer-mässig und die Geschichte ... ja die Geschichte ... sie regt auch heute noch zum Nachdenken an. Kurzum, Cloud Atlas ist für mich persönlich einer der besten Filme der Filmgeschichte - wenn man sich denn auf die Geschichte einlassen kann.
Und was fand der Autor, David Mitchell von der Literaturverfilmung? Seine Meinung kommt einem Ritterschlag zugleich: "Das könnte einer jener Filme sein, die besser sind als das Buch".




Ein Tipp von Sarina Beer

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