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Eisert, Christian : Viele Ziegen und kein Peter

Nach Christian Eiserts Reisebericht über seine Nordkoreaferien (siehe Kim und Struppi) freute ich mich sehr auf sein neustes Werk Viele Ziege und kein Peter. Dass der Autor diesmal seine Ferien in der Schweiz verbrachte war zwar zugegebenermassen ein kleiner Wermutstropfen. Was sollte denn da schon Spannendes (im Vergleich zu Nordkorea!) aufzudecken sein? Oh, wie ich mich geirrt habe! Eisert schreibt unterhaltsam wie gewohnt und sorgt damit für den ein oder anderen Lacher. Besonders seine Freundin aus der Schweiz und spätere Reisebegleiterin Amara, ist absolute klasse. Bereits nach den ersten Seite stellte ich überraschend fest, wie wenig ich doch von unserem Land weiss. Manches war zum Schmunzeln, anderes eher erschreckend aber in der Summe habe ich mehr Wissenswertes aus Viele Ziegen und kein Peter mitgenommen, als aus so mancher Geschichtsstunde in der Schule. Eisert erzählt unteranderem über die Söldnerzeit der Schweizer, wie es zur Unabhängigkeit kam, über Bunker und anderen geheime Anlagen und über die Geschichte von Bauten die mir so noch gar nicht aufgefallen sind. Mit dem ÖV durchreist er die Schweiz und die Darstellung seiner Erlebnisse und Begegnungen machen richtig Spass. Zu erwähnen sei hier als Beispiel die Führung durch einen Bunker, gar nicht so weit entfernt von hier, deren mehrseitige Schilderung mir die Lachtränen in die Augen trieben.

"Der Dänu stoppte, tippte einen Code in ein Zahlenfeld an der Wand und schloss eine Gittertür auf.
"Ja. das ist ja einiges." Mehr viel mir nicht ein. Solche Räume kannte ich den Nachrichten. [...] Gleich Stalagmiten in einer Tropfsteinhöhle ragten Granatköpfe, Panzerfäuste und Geschossspitzen vor uns auf. Das Kanonenrohr einer grauen gepanzerten Haubitze zielte auf mich. Über der Panzerung baumelten - wie antipazifistische Winterschals - Patronengurte. Am Boden aufgebockte Maschinengewehre bedrohten sich gegenseitig. An der rückseitigen Wand hinten waagerecht übereinander, als seien es Bootspaddel, ein Dutzend lange Gewehre mit braunen Schulterkolben aus Holz. Die Wand links von uns schätzte ich auf drei Meter. Über ihre gesamte Länge reihten sich Sturmgewehre, Maschinenpistolen und einfache Gewehre mit spitzen Bajonetten aneinander.
"Und das ... hast du ...", stammelte ich, "wie soll ich sagen ...im Laufe der Jahre nach und nach aus aller Welt ... gesammelt?"
Der Zeigfinger schoss in die Höhe. "Ich bin kein Waffennarr! Wirklich. Kein Waffennarr! Nicht wie meine Kollegen."
(Viele Ziegen und kein Peter / Christian Eisert, S. 167)


So habe ich, gluschtig gemacht durch die Lektüre seines Buches, den ein oder anderen vorgestellten Ort mittlerweile auch besucht und mich auf die Dinge geachtet, die er beschreibt. Zusammengefasst: Viele Ziege und kein Peter erzählt Wissenswertes über unser Land und beschreibt Menschen und Orte besser, als so mancher Reiseführer es tut. Das Buch hat mir einige schöne Abendlesestunden beschert, schade war es nicht dicker.

Ein Tipp von Sarina Beer

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