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Antoine de Saint-Exupéry : Der kleine Prinz

Das Buch von Antoine de Saint-Exupéry kann als Klassiker bezeichnet werden und ist im Jahre 1943 unter dem Originaltitel: «Le Petit Prince» erschienen.
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
(De Saint-Exupéry, 1943) ist ein Kernsatz des Märchens für Kinder und Erwachsene.

Was bedeutet es, dass man nur mit dem Herzen gut sehen kann? Was genau ist das Wesentliche, was man nicht mit den Augen sehen kann? Diese Fragen gingen mir bei der Lektüre durch den Kopf und ich werde weiter unten ausführlicher darauf eingehen.
Obwohl «Der kleine Prinz» ein berühmtes Kinderbuch mit ansprechenden Illustrationen ist, erachte ich den Inhalt der Geschichte als tief philosophisch, worüber Erwachsene nachdenken können.
«Alle grossen Leute waren einmal Kinder, aber nur wenige erinnern sich daran.»
(De Saint-Exupéry, 1943).

Manchmal sehen wir, dass Ideen und Gedanken von Kindern, Erwachsene entweder wundern oder begeistern können. Oft haben die «grossen Leute» vergessen, wie ein Kind zu denken und zu staunen. Auch dieser Punkt scheint ein wesentliches Thema zu sein. De Saint-Exupéry beschreibt dies schön anhand des folgenden Beispiels: Dem Piloten gelingt es auch nach etlichen Versuchen nicht, das vom kleinen Prinzen gewünschte Schaf so zu zeichnen, dass der kleine Prinz zufrieden ist. Erst nachdem der Pilot entnervt eine Kiste zeichnet und zum kleinen Prinzen sagt, «Dein Schaf ist in dieser Kiste», erkennt der kleine Prinz sein Schaf und ist überglücklich. Er konnte nun sein Schaf deutlich, zwar nicht mit den Augen, jedoch durch sein Herz sehen und wie de Saint-Exupéry schreibt: «Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar».

Ein Beispiel für Einzigartigkeit findet sich in der folgenden, wo der kleine Prinz sagt:
„Ich suche Freunde. Was bedeutet zähmen?“
„Das wird oft ganz vernachlässigt“, sagt der Fuchs.
„Es bedeutet, sich vertraut miteinander machen.“
„Vertraut machen?“
„Natürlich“, sagt der Fuchs. „Du bist für mich nur ein kleiner Junge, ein kleiner Junge, wie hunderttausend andere auch. Ich brauche dich nicht. Und du brauchst mich auch nicht. Ich bin für dich ein Fuchs unter Hundertausenden von Füchsen. Aber wenn du mich zähmst, dann werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzigartig sein. Und ich werde für dich einzigartig sein in der ganzen Welt“.
(De Saint-Exupéry, 1943)

« «Einzigartig» ist für mich jeder Mensch und auch Dinge, die für mich eine subjektive Bedeutung haben und für mein Leben wichtig sind. Deshalb erachte ich es als wichtig, Verantwortung in einer Beziehung oder auch für ein Tier, eine Pflanze zu übernehmen.
Und der kleine Prinz erklärt in Bezug auf seine Rose: «Sie ist wichtiger als ihr alle, denn sie es ist, die ich gegossen habe.» «Sie ist es, die ich unter eine Glasglocke stellte.» «Sie ist es, die ich mit einem Wandschirm schützte.» «Sie ist es, deren Raupen ich tötete (mit Ausnahme von zwei oder drei der Schmetterlinge wegen).» «Und sie ist es auch, der ich zuhörte, wie sie sich beklagte oder prahlte oder auch manchmal schwieg.» «Denn sie ist meine Rose.»
(De Saint-Exupéry, 1943)

Eine wunderschöne Metapher – finde Sie nicht auch? Also wie wäre es, wenn Sie von Zeit zu Zeit wieder mit dem Herzen sehen? Oder möchten Sie wieder einmal ausprobieren, mit dem kleinen Prinz zu reden? In der Beziehung mit ihm können Sie vielleicht wieder vermehrt den Zugang zu Ihren eigenen Gefühlen entdecken. Er hört Ihnen auch gerne zu oder vermag, Ihnen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern: 
«Wenn du in der Nacht den Himmel betrachtest, weil ich auf einem von ihnen wohne, dann wird es für dich so sein, als ob alle Sterne lachten, weil ich auf einem von ihnen lache.»
(De Saint-Exupéry, 1943)

Tipp von Soohye Ropelato-Kim

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