Direkt zum Hauptbereich

Arrival

Zugegeben der Trailer zu Arrival verspricht ein Science Fiction-Abenteuer in gewohnter "Aliens vs Menschheit"-Manier, selbstverständlich mit der dazugehörigen Menge an Explosionen, Thriller und Spannung. Schade eigentlich, denn damit spricht man meiner Ansicht nach ein anderes Zielpublikum an, als dies der Film eigentlich möchte.
Arrival basiert auf der Kurzgeschichte Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes des US-amerikanischen Autors Ted Chiang, der als einer der zurzeit besten Science Fiction Autoren gelobt wird.
Arrival ist ein ruhiger Science Fiction Film und Fans von Action und raschen Bildabfolgen werden mit dieser Perle von Film bestimmt nicht warm werden.
Alles beginnt mit Dr. Louise Banks und ihrer Erinnerung an ihre todkranke Tochter. Doch was ist Anfang, was ist Ende? Diese Frage ist ein Kernelement der Geschichte, die im Orignal so treffend mit Story of Your life betitel ist.
Auf der ganzen Welt sind 12 Raumschiffe - Die Muscheln - gelandet. Es folgen keine Angriffe und die unbekannten Wesen haben die Muscheln auch nie verlassen. Es wird ein Team bestehend aus der Linguistin Louise Banks (Amy Adams) und dem Theorie-Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) vom US-Colonel Weber mit dem Auftrag engagiert mit den Ausserirdischen in Kontakt zu treten, respektive einen Weg zu finden mit ihnen zu kommunizieren.
Die Ausserirdischen werden aufgrund ihrer sieben flexiblen Gliedmassen Heptapoden genannt und die Kommunikation mit ihnen gestaltet sich als überaus schwierig. Zwar kommunizieren die Heptapoden, doch es ist den Menschen unmöglich diese Töne nachzuahmen. Bank beschliesst daher auf die Schriftsprache auszuweichen. Die ist logographisch, das bedeutet, dass die einzelnen Sprachausdrücke durch grafische Zeichen wiedergegeben werden. Jedes dieser einzelnen Zeichen ist in sich sehr komplex und steht dabei nicht nur für ein Wort sondern umfasst eine vollständige Aussage. Mit grossem Aufwand und ihren Erinnerungen an ihre Tochter und an die damit verbundene Zeit, als sie der Mutter Fragen stelle wie "Mami was bedeutet dieses Wort?" oder "Kennst du ein anderes Wort für ...?", begreift Banks schlussendlich die Schriftzeichen und kann sich auf einfachem Niveau mit den Heptapoden verständigen.
Zeitgleich drängt die Regierung mit Massnahmen gegen die Heptapoden. Sie sind überzeugt, dass diese in feindlicher Absicht auf die Erde kamen und sind mit dieser Ansicht nicht alleine. Nach und nach kappen die anderen Länder die Kommunikationsverbindung und bereiten sich auf einen bevorstehenden Angriff auf die Muscheln vor.
In einem letzten Versuch begibt sich Banks noch einmal in die Muschel. Anders als die vorherigen Male ermöglichen ihr die Heptapoden den direkten Zugang zu ihnen, ohne eine art gläserne Wand, die zwischen Ihnen steht. Sie beginnt mit ihnen zu kommunizieren und fängt an zu verstehen, dass für die Heptapoden die Zeit nicht linear und einseitig in die Zukunft gerichtet ist. Sie begreifen Ereignisse nicht von ihrem Beginn her, sondern können sich an die Vergangenheit als auch an die Zukunft erinnern. Banks erfährt, dass der Zweck ihrer Kontaktaufnahme daher bestand, den Menschen diese Fähigkeit zu schenken, da die Heptapoden im Gegenzug in 3000 Jahre auf die Hilfe der Menschen angewiesen sein werden.
Als Banks die Muschel mit dem neu gewonnen Wissen verlässt, ist es beinahe zu spät. China wird ihre Muschel angreifen und es scheint, als könne sie nichts tun um dies zu verhindern.

Arrival hat mich zutiefst beeindruckt. Am Anfang hat der Film, zugegeben, einige Längen wenn man von einem Science Fiction Knaller ausgeht. Aber wenn man sich auf die ruhige Erzählweise einlässt, dann hat jeder erneute Besuch in der Muschel durch Banks und Donnelly seinen Sinn und am Ende fügt sich ein Puzzlestück zum nächsten. Als gegen Ende des Films klar wurde, dass die Erinnerungsfetzen an ihre Tochter, die ein nicht zu verachtender Bestandteil des Filmes sind, keine Erinnerung an die Vergangenheit sind sondern an die Zukunft sind, war das zugegebenermassen ein harter Brocken. Die philosophische Frage drängte sich förmlich auf: ist es ein Geschenk zu wissen was kommt? Würde man wieder so handeln wenn man wüsste, welche Konsequenzen dies nach sich zieht? Entscheidet man sich dennoch für ein Kind, obwohl das Leid, das einem erwartet, schier den Atem rauben wird?

Für mich ist Arrival, resp. die Kurzgeschichte Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes ein wahrer Geheimtipp, den ich hier gerne weitergeben möchte. Ich hoffe, Ihnen gefällt der Film genauso wie er mich beeindruckt hat.

Die Filmmusik von Jóhan Johannsson ist ebenfalls bei uns ausleihbar. Wer vergeblich das Musikstück The Swimmer von Max Richter auf dem Album sucht, soll nicht enttäuscht sein. Richter wird im Mai ein Album herausgeben, auf dem das Musikstück sein wird.


Musikstück The Swimmer (aus dem Album On the nature of daylight) - Max Richter



Ein Tipp von Sarina Beer


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Klappe, die Erste!

Vieles ist möglich in der Stadtbibliothek. Man kann sich treffen, unterhalten, Medien ausleihen, Menschen treffen, Ruhe suchen, Kaffee trinken, Wahl- und Stimmzettel einwerfen und vieles mehr. Oft ist die Bibliothek auch einfach eine Auskunftsstelle. Wir erhalten gelegentlich Besuch von Leuten, die einfach wissen möchten, wo sie ein bestimmtes Geschäft oder eine Amtsstelle finden.
Manchmal dient die Stadtbibliothek sogar als Kulisse für Film-Aufnahmen. So wurde 2004 eine Szene des Spielfilms "Schönes Wochenende", einer Koproduktion des Schweizer Fernsehens mit SWR in der Stadtbibliothek Thun aufgenommen.
Am 18. September 2017 hat ein dreiköpfiges Team der Produktionsfirma Mediafisch die Stadtbibliothek gar zum Aufnahmeort für ein Interview gewählt. Die Fernsehleute schätzten die Ruhe und die Atmosphäre der Bibliothek als geeignet ein, um einen Experten zur Vorbereitung auf die Pensionierung zu befragen.  Albert Baumgartner, Sozialarbeiter Pro Senectute St. Gallen, durfte …

Stieg Larsson : Millennium-Trilogie

Wenn ich am nächsten Tag Augen habe, die eine gewisse Ähnlichkeit mit "klepftä Sicherigä" haben, dann liegt es daran, dass ich die halbe Nacht wach lag und gespannt der Stimme von Dietmar Bär gelauscht habe. Mit einer schier unerträglich knisternden Spannung liest er bei mir momentan aus Stieg Larssons Millennium Trilogie und das macht er überaus fantastisch. Gekonnt haucht er mit seiner Stimme den Figuren von Lisbeth Salander, Kalle Blomkvist und co. eine eigene, individuelle Note ein, dass man meinen könnte, sie stehen direkt bei einem im Wohnzimmer (wobei ich auf letzteres dankend verzichten kann).

Stieg Larsson hinterliess bei seinem Tod die ersten drei von zehn geplanten Büchern die in der Übersetzung allgemein als "Verblendung", "Verdammnis" und "Vergebung" bekannt sind; die sogenannte Millennium-Trilogie. Sie wurden in Schweden posthum veröffentlicht und schlugen ein wie eine Bombe. Allein in Schweden wurden bereits 3.5 Millionen Exemplare…

Romeo und Julia : Das Musical

"Wenn ihr bereits alles kennt, jedes Wissen euer Eigen nennt, seid ihr von langen Reisen matt? Willkommen in der Stadt!"
Willkommen in der Stadt Verona! Hier geht es drunter und drüber. Seit dem Streit der zwei Familien Montague und Capulet ist die Stadt nicht das, was sie mal war.
Als sich Romeo, der junge Montague, und Julia, die Tochter der Capulets, sich das erste Mal auf einem Maskenball sehen, verlieben sie sich ineinander.
Doch schnell wird ihnen klar, dass der Streit ihrer Familien ihre Beziehung auf eine harte Probe stellt. Die Beziehung von Romeo und Julia spricht sich schnell in Verona herum.

"Habt ihr schon gehört? Es ist wirklich unerhört, dass Romeo, unbeschwert, eine Capulet begehrt. "Habt ihr schon gehört? Alle Welt ist ganz empört, was Romeo nun zerstört und die Familie entehrt."
Nicht nur das, Julias Vater hat für sie schon den perfekten Ehemann ausgesucht. Er möchte, dass sie Paris heiratet.
Doch Julia stellt sich gegen die Hochzeit.
Zeitgleic…