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Arno Camenisch : Der letzte Schnee

Der Georg und der Paul, die beiden Protagonisten des neuesten Buchs von Arno Camenisch, verbringen die Zeit in ihrem „Hüttli“ auf dem Dach der Welt im Bündnerland. Der Schlepplift aus den 1970ern rattert seine endlosen Runden, während die Zwei mal auf den Schnee, mal auf die Skifahrer warten. Es mangelt an Arbeit und die kleinen Revisionsarbeiten am Lift, das Üben des Ernstfalls mit dem Rettungsschlitten, das tägliche Ausklappen des Sinalco-Sonnenschirms und das Aufstellen und Wegräumen der Informationstafel, lassen viel Zeit zum Philosophieren.

Georg, der Stille, Vergessliche und Genaue schreibt alles fein säuberlich in sein „Schurnal“. Sei es das unerklärliche Verschwinden eines Skibügels, die Anzahl der beförderten Skifahrer oder andere Nicht-Ereignisse.
Paul, der begnadete Erzähler, weiss zu jeder Lebenssituation eine passende Geschichte. Was ist nicht alles verschwunden seit den 70er und 80er Jahren. Die Dorfbäckerei mit den feinsten Cremeschnittas, Radios mit ausziehbarer Antenne, der eigene Sohn ins Unterland, der eine oder andere im Gletscher…

So vorhersehbar und unspektakulär der Tagesablauf der beiden Männer auch ist, dem Leser wird das grosse Vergnügen zuteil Alltagsleben, Politik, Klimawandel, Artensterben und die Magie der Liebe durch die Augen der beiden liebenswerten und schrulligen Männer zu erleben. Und dies in der für Arno Camenisch typischen wunderbar fliessenden Sprache. Ein Nebeneinander von direkter Rede und Erzählung, von Hochdeutsch und Mundartfetzen (kasch tenka, sodali, Cofferteckel).

Mit seiner Bündner Trilogie, den Romanen „Sez Ner“, „Hinter dem Bahnhof“ und „Ustrinkata“, ist der Schriftsteller Arno Camenisch bekannt geworden. Die drei Werke erhielten nationale und internationale Preise und Nominierungen, darunter den Schweizer Literaturpreis 2012 für „Ustrinkata“.

Lesetipp von Verena Dolder

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